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Andreas Stuth
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Andreas Stuth

Satiren

Trennungsangst

[Andreas Stuth] Fast ein jeder von uns hat wohl irgendwo einen solchen stehen: So einen Schuhkarton, meist ohne Deckel, an einer Ecke eingerissen, der Boden bedeckt mit einer Mischung aus körnigem Staub und stoffigem Staub. Ansonsten darin eine Vielzahl kleinerer Attribute, deren Zuordnung zu einer Anwendung, einem Zweck, schwerfällt. Da finden sich merkwürdige Messingoesen mit eigentümlichen Ausbuchtungen, krumme Nägel, durchgerissene Gummiringe, etwas Schnur, ein paar Teile, die nach Elektroinstallation aussehen - man erkennt die Porzellanisolierung der Reste einer antiken Sicherung - sowie ein alter Kassenzettel vom Eisenwarenhändler. Manches sind Einzelstücke, anderes findet sich in Anzahlen. Vor allem die Gardinenrollen sind unzählbar. Oft findet sich auch ein verknotetes Plastiktütchen, in dem ich diese seltsam gezackten Spezialmuttern wiederfand, die ich beim Wiederzusammenbau eines Schrankes jener schwedischen Möbelhauskette so schmerzlich vermisste. Ein Gurkenglas mit Holzschrauben aller Art darf auch nicht fehlen, oder ein Fleischsalatschälchen aus Plastik mit verwittertem Etikett, in welchem Dübel aufbewahrt werden.

Auf diesen Karton stößt man meist bei einer ausgedehnteren Aufräumaktionen von Dachboden, Keller oder Abstellkammer und dann wirft er unmittelbar Fragen auf. Warum haben wir ihn? Und warum können wir uns von ihm und seinem Inhalt nur so schmerzlich trennen? Ist es diese wohl in jedem Menschen tiefverankerte Sammelwut, die am Rande auch etwas von dem Drang zur Anhäufung von Besitztümern hat? Oder ist es die Angst, etwas wegzugeben, dessen Nutzen man momentan nicht einsieht, weil man in unserer immer mehr spezialisierten Welt den Überblick über den Zusammenhang, hier vielleicht eher den Zusammenhalt der Dinge verloren hat, dass man aber irgendwann noch einmal dringend brauchen könnte? (So wie die schwedischen Muttern) Nicht, dass wirtschaftliche Not die Neuanschaffung der benötigten Kleinteile erschweren könnte. Nein, die Angst beruht darauf, dass man diese, gerade diese einen Muttern, Ösen, Dichtungen so, in dieser markengebunden, ungenormten Form nie mehr bekommen könnte und man hinfort mit einem Provisorium zu leben hätte. (Wie ich mit meinem Schwedenschrank, der nun mehr schlecht als recht von Nägeln aufrechtgehalten wird.)

Mein Rat: Bewahrt, aber lernt von Lagerverwaltern. Die sortieren und beschriften, und das kann die Angst ziemlich abmildern.


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Last modified: 01:07:27, 06. Oktober 2008